Diakonie Sachsen
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25.09.2015 | Lernen braucht Bewegung – mehr Bewegungskultur in Produktionsschulen!

Jedes Jahr verlassen in Sachsen mehr als 9 Prozent eines Jahrgangs die Schule ohne Abschluss. Die Gründe dafür sind vielfältig. Produktionsschulen bereiten diese benachteiligten jungen Menschen mit einer motivierenden Verbindung von Arbeiten, Lernen und sozialpädagogischer Begleitung auf den Start in eine Ausbildung oder in das Erwerbsleben vor. Sie sind ein Türöffner ins eigenständige Erwachsenenleben, eine zweite Chance. Dass körperlicher Bewegung in den Lern-Konzeptionen künftig eine ganz zentrale Rolle haben sollte, dafür warb Dr. Ulrike Landmann, Referentin der Universität Ulm. Sie machte alle 10 Produktionsschulen im Rahmen des 3. Tags der Sächsischen Produktionsschulen in Chemnitz mit den neuesten Erkenntnissen der Hirnforschung vertraut.

Demnach ist körperliche Bewegung eine wichtige Voraussetzung für gelingendes Lernen. Und dies nicht nur bei Kindern. Sie wies darauf hin, dass Lernen zunächst nur `Spuren legen im Gehirn` bedeute und das funktioniere ein Leben lang. „Das Defizitmodell `was Hänschen nicht lernt …´ ist überholt, seit wir seit Ende der 90erJahre wissen, dass sich auch im erwachsenen Gehirn ständig neue Nervenzellen bilden“. Was bedeutet diese Erkenntnis nun für die Produktionsschulen? „Die häufig negative Lernbiographie, die erhöhte Lernangst und ein geringer akademischer Selbstwert („das lern´ ich nie“) der Jugendlichen könnten besser aufgebrochen werden, wenn die hirnphysiologischen Voraussetzungen für gelingendes Lernen mehr beachtet würden!“ Dazu zählten Faktoren wie die Selbstregulierung. „Selbstregulierung wird schubweise in der Kindheit gelernt, wird aber das ganze Leben lang weiterentwickelt. Zentraler Faktor dabei ist körperliche Bewegung: Bewegung fördert die Lernleistung und die sozial-emotionale Entwicklung. Das ist mittlerweile vielfach nachgewiesen.“

Deshalb sei es gerade so wichtig, für benachteiligte Jugendliche Bewegungsanlässe zu schaffen, die Spaß machten und eine richtige Bewegungskultur zu etablieren – „möglichst vormittags“- das würde die Lernleistungen der jungen Menschen besonders fördern.

„Sportliche Angebote helfen die Lethargie und die Destruktivität zu durchbrechen, gegen welche wir bei unseren Jugendlichen so oft ankämpfen. Aus diesem Grund stehen den Jugendlichen in unseren Projekten Tischtennisplatten und Kicker zur Verfügung, welche auch in den Pausen sehr gut genutzt werden. Regelmäßig veranstalten wir dazu zwischen den Projekten Fußballturniere, für welche natürlich auch trainiert werden muss.“, so David Meis von der Produktionsschule Moritzburg.

In Sachsen gibt es 10 ESF-geförderte Produktionsschulen, sechs davon sind in diakonischer Trägerschaft. Sie sind „ein gelungenes Netzwerk von Kirche und Diakonie, Kommune und Ministerium, das alle Pflege verdient“, so Oberlandeskirchenrat Burkhard Pilz, zuständiger Dezernent für Kinder, Jugend, Bildung und Diakonie im Landeskirchenamt.

Hintergrund:

Sachsen hat mit dem Programm des Europäischen Sozialfonds seit 2008 die Jugendberufshilfe um das erfolgreiche Modell der Produktionsschulen erweitert. Die Produktionsschulen arbeiten im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe (Sozialgesetzbuch VIII, § 13) und bereiten benachteiligte Jugendliche auf den Start in eine Ausbildung und in das Erwerbsleben vor. Sie knüpfen an der Lebenswirklichkeit junger Menschen an und verbinden auftragsbezogenen Arbeiten und Lernen in verschiedenen Werkstätten. Unterstützt wird die auftragsbezogene Arbeit durch sozialpädagogische Beratung und Begleitung. Ziel des „3. Tag der Produktionsschulen“ war, die erfolgreiche Arbeit der Produktionsschulen in Sachsen aufzuzeigen und den Gedanken der Produktionsschulen weiter zu entwickeln und bekannt zu machen.

 
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