Diakonie Sachsen

04.03.2015 | Kirche und Diakonie: „Wann wird es gut in Sachsens Kindertagestagesstätten?”

„Kindertageseinrichtungen müssen Orte sein, an denen Kinder sich geborgen fühlen. Die zentralen Zukunftsfragen unserer Gesellschaft sind an höchste Bildungsqualität für unsere Kinder gebunden.

Ganz besonders gilt dies für die Allerkleinsten in der Krippe. Kinder brauchen vor allem sichere Bindungen, um zu reifen und sich zu unbeschädigten und bildungshungrigen Persönlichkeiten entwickeln zu können. Hier müssen Pädagoginnen und Pädagogen mit der gebotenen Feinfühligkeit, hoher Qualifikation und vor allem nicht permanent an der Grenze der Überlastung zuverlässig agieren können. Und: Die Entwicklung einer Bindung braucht ausreichend gemeinsame Zeit. Insofern sind wir davon enttäuscht, wie die Landesregierung ihr Wahlversprechen, die Situation in den Kitas zu verbessern, einzulösen plant: Für Kinder, Erzieherinnen und Erzieher wird es nur teilweise besser, dafür aber für die Eltern teurer. Immer noch wird offensichtlich Qualität in Kindertagesstätten als scheinbar `weiches Politikfeld´ eingeschätzt und nicht ausreichend gestärkt.“

Oberlandeskirchenrat Burkart Pilz, im Landeskirchenamt zuständig für Kinder- und Jugendarbeit, sowie Bildung und Diakonie, und Diakonie-Chef Christian Schönfeld ärgern sich, dass die geringfügige Verbesserung des Betreuungsschlüssels mit der Aufweichung des Fachkräftegebots, der zusätzlichen Belastung von Eltern und Kommunen und der ersatzlosen Streichung des Landesinvestitionsprogramm für den Kitaneu- und –umbau konterkariert wird. Beide Kirchenvertreter haben sich in den vergangenen Jahren intensiv um die Verbesserung des Personalschlüssels in den Kindertageseinrichtungen bemüht. Auch die Liga Kampagne „weil Kinder Zeit brauchen“ startete bereits 2008. Seitdem wurden die Forderungen nach Verbesserungen der Rahmenbedingungen in Kindertageseinrichtungen kontinuierlich bei den verantwortlichen Politikern vorgetragen.

Hauptkritikpunkte sind die bereits Mitte dieses Jahres mögliche Verschlechterung des Fachkräfteschlüssels im Krippenbereich und die Zulassung einer prozentualen Steigerung der Elternbeiträge. „Beides halten wir in keiner Weise für sachgerecht. Die Arbeit mit Kindern und die dazugehörige Elternarbeit erfordert höchste Qualifikation. Die mit den minimalen Verbesserungen im personellen Bereich einhergehenden höheren Betriebskosten in den Einrichtungen überproportional den Elternbeiträgen zu zurechnen, heißt für Eltern höhere Kosten ohne dafür eine Gegenleistung in Form einer teilweise besseren Betreuung zu haben. Das ist unredlich.“

Kirche und Diakonie appellieren dringend an alle Landtagsabgeordneten, dem Haushaltsbegleitgesetz in der jetzigen Form nicht zuzustimmen.

Hintergrund: Bundesweit hat Sachsen mit Personalschlüssel 1:13 im Kindergarten, 1:6 in der Krippe und 1:24 im Hort den zweitschlechtesten Personalschlüssel im Ländervergleich. Die Personalschlüssel decken sich nicht mit den tatsächlichen Betreuungsschlüsseln, da derzeit bei den Berechnungen eine 9h Betreuungszeit zu Grunde gelegt wird. Urlaub, Krankheitstage und Fortbildungen verzerren die rechnerischen Größen außerdem, so dass im Kindergarten in der Regel 18 Kinder auf einen Erzieher kommen. Im Herbst 2014 legte die CDU/SPD Koalition vertraglich Veränderungen für die sächsischen Kindertagesstätten fest. Die angedachten Verbesserungen erstrecken sich über den gesamten Zeitraum der Legislaturperiode und sollen in 0,5er Schritte vollzogen werden. 2015/2016 wird der Personalschlüssel im Kindergartenbereich auf 1:12 angepasst. In den Jahren 2017/2018 im Krippenbereich von 1:6 auf 1:5. Bereits in diesem Jahr droht jetzt aber eine Verschlechterung des Fachkräfteschlüssels im Krippenbereich. Ab dem 01.08.2015 dürfen bis zu 20 Prozent der Personalstellen mit Assistenzkräften besetzt werden. Unklar ist, welche Qualifikation 'Assistenzkräfte' haben müssen, um in der Krippe zu arbeiten. Fest steht, dass sie nur unter Anleitung arbeiten dürfen – was erneut Arbeitszeit der Fachkräfte bindet. Da es sich bei der Einstellung von Nichtfachkräften um eine „Kann-Regelung“ handelt, appellieren Kirche und Diakonie an die Träger, künftig an den bisherigen Qualifikationen festhalten und diese selbstbewusst mit den Kommunen zu verhandeln.

Kirche und Diakonie betreuen in 256 Kindertagesstätten mit 2746 Mitarbeitenden ca. 21708 Kinder

 
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