Diakonie Sachsen
In der Nächsten Nähe - Mein Beruf ist, Menschen Wärme entgegenzubringen.

06.09.2017 | Integrationsleistungen und ehrenamtliches Engagement nicht gefährden!

„Wir sind bestürzt und warnen nachdrücklich davor, alle Integrationsbemühungen seitens der Flüchtlinge, aber auch das ehrenamtliche Engagement so vieler Helferinnen und Helfer derart zu missachten. Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim!“

Mit diesen scharfen Worten geißelt Diakonie-Chef Christian Schönfeld das Verhalten der Behörden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dort wurden in den vergangenen Tagen eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge sowie mehrere Wohnungen für Asylbewerber plötzlich und ohne Einzelfallprüfung aufgelöst und gekündigt. Die Bewohner wurden aufgefordert, ihre Wohnungen binnen einer Woche zu verlassen. Sie sollen jetzt von Bad Schandau nach Dührröhrsdorf-Ditterbach sowie Klingenberg und Sebnitz verbracht werden. In weiteren Fällen ist ein Umzug von Rosenthal-Bielatal nach Sebnitz bzw. von Cunnersdorf nach Königstein angeordnet worden.

Dabei handelt es sich um Flüchtlingsfamilien, deren Kinder in Kitas und Schulen bestens integriert sind, während die Mehrzahl Erwachsenen in der unmittelbaren Umgebung ihrer Unterkünfte bereits jetzt einer geregelten Arbeit bzw. geregelten Schulungsmaßnahmen nachgehen. Die Familien werden von engagierten ehrenamtlichen Helfern vor Ort betreut und verfügen inzwischen über enge Sozialbeziehungen in der Nähe ihrer jetzigen Wohnungen.

Hintergrund: Bereits im Juni hatte der Kreistag beschlossen, die Kosten für die Flüchtlings-Unterbringung zu senken. Von diesem Vorhaben wurden aber weder die Betroffenen selbst, noch die betreuenden Sozialarbeiter und die vielen ehrenamtlichen Helfer informiert.

Aus Sicht der Diakonie Sachsen ist das Vorgehen der Behörden so nicht hinnehmbar. Zwar sei verständlich, dass die Behörden die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen senken wollen. „Dabei muss aber jeweils der einzelne Fall geprüft werden. Wenn durch einen per Schreibtischerlass provozierten Umzug bereits über Monate erfolgreiche Integrationsmaßnahmen ad absurdum geführt werden, widerspricht das Verhalten der Behörden im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge all den in mühevoller Kleinarbeit von der Sächsischen Staatsministerin für Gleichstellung und Migration angeregten Maßnahmen. Die betroffenen Migranten, die ein neues zu Hause gefunden haben, werden erneut ausgegrenzt, mühsam geknüpfte Beziehungen werden einfach gekappt, Sprachkurse abgebrochen. Die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer, die die Migranten beinahe täglich begleiten, wird missachtet. Ohne diese vielen Helferinnen und Helfer wäre der Freistaat im Herbst 2016 heillos überfordert gewesen und auch heute funktioniert das System nur dank diesem Engagement. Doch wer wird sich noch engagieren, wenn er alle seine Bemühungen ohne Not mit Füßen getreten sieht“, warnt Schönfeld.

Die Diakonie Sachsen fordert den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge daher auf, die getroffenen Entscheidungen im Einzelfall zu prüfen und gegebenenfalls unverzüglich zu korrigieren.

Weitere Informationen:  Kerstin Böttger, Referentin für Migration, Tel.: 0351/8315-176


 
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