Diakonie Sachsen
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26.07.2017 | Existenzsicherung und gesundheitliche Beeinträchtigungen bleiben Brennpunktthemen

Diakonie Sachsen legt Lebenslagenerhebung 2017 der KirchenBezirksSozialarbeit  vor

Die 35 Beratungsstellen der KirchenBezirksSozialarbeit (KBS) haben im vergangenen Jahr 3.721 Hilfesuchende (Vorjahr: 3.822) beraten. Wieder waren gesundheitliche Fragen - gepaart mit Kuranträgen - sowie die Sorge um die Sicherung der materiellen Existenz die Haupthemen in der allgemeinen sozialen Beratung. „Dass Menschen ohne eigenes Einkommen Hilfe suchen, ist nicht verwunderlich. Dass aber Menschen mit einem Haushaltseinkommen – ohne ergänzende Sozialleistungen – aufgrund unterschiedlichster Notlagen Unterstützung benötigen, ist ein kritisches Signal. Viele haben damit nicht nur permanente Geldsorgen, sondern auch ständigen Antrags-Stress, den sie manchmal ohne Hilfe nicht mehr bewältigen“,  sagt Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen. Vor allem bei Anträgen, die die finanzielle Situation entspannen und verbessern sollten, waren Hilfen nötig: SGB-II-Leistungen, Wohngeld, Lastenzuschuss, Bildungs- und Teilhabepaket, Kirchlicher Hilfsfonds für Menschen in Not, Stiftungsanträge etc.

Eng verknüpft mit der Existenzsicherung und den damit zusammenhängenden Sorgen und Nöten sind gesundheitliche Fragen. Auch Kuranträge in Verbindung mit Anträgen zur Müttergenesung wurden wieder zahlreich gestellt. So stellten dieses Jahr 1.123 Frauen und Männer einen Kurantrag. „Manchmal hilft die Aussicht auf eine Auszeit von einem Alltag voller Sorgen schon weiter“, so Kießling.

In diesem Zusammenhang erscheint es der KBS besonders wichtig, dass die Möglichkeiten der Familienerholung wieder in vollem Umfang angeboten werden: Zwar gibt es in Sachsen seit dem Doppelhaushalt 2015/16 wieder die Förderung der Familienerholung als familienstärkendes Angebot, aber die zugrunde liegende Richtlinie geht zum Teil am Bedarf vorbei.

Der Diakonie erscheinen dabei drei Punkte als hochproblematisch: „Zum einen, dass die Familien, die den Antrag stellen, das Geld erst nach ihrem Urlaub bekommen, also in Vorleistung gehen müssen. Gerade das aber können sie ja nicht. Zum zweiten sind die Fördersätze seit der Einführung des Euros, also seit über 13 Jahren,  gleich geblieben, während die Lebenshaltungskosten gestiegen sind. Und zum dritten wird durch die unveränderten Einkommensgrenzen ein Teil der SGB-II-Leistungsberechtigten seit der Einberechnung der Kosten der Unterkunft von der Förderung ausgeschlossen, indem die mitreisenden Eltern keinen Zuschuss mehr erhalten. Das aber ist nicht im Sinne der Familienförderung, denn gerade diese Familien benötigen den Zuschuss zur Familienerholung dringend“, kritisiert Rotraud Kießling. Die Diakonie Sachsen macht sich daher seit Jahren für ein angemesseneres Förderverfahren stark.

„Nach den Sommerferien wird die Schere zwischen Arm und Reich besonders deutlich: Während die einen von tollen Urlaubsreisen berichten, können Eltern und Kinder aus einkommensarmen Familien meist nicht viel von den Ferien erzählen. Familien, die nicht genug Geld haben, um den Kindern dringend benötigte Sandalen für den Sommer zu kaufen, brauchen an Urlaubsreisen gar nicht erst zu denken. Das ist nicht nur für die Kinder schlimm, denn ihnen wird die Erfahrung vorenthalten, Neues zu entdecken. Auch die Eltern selbst bräuchten ebenfalls dringend eine Auszeit von ihrem häufig prekären und von dauernden finanziellen Nöten und Sorgen überschatteten Alltag“, fasst Rotraud Kießling zusammen.

Hintergrund: Die KBS bietet ohne jede Zugangsbeschränkung eine erste allgemeine soziale und unabhängige Beratung und ein offenes Ohr. Für Menschen in komplexen Problemlagen übernehmen die Beraterinnen und Berater Lotsenfunktion, d.h. sie koordinieren Hilfemöglichkeiten und vermitteln an spezialisierte Beratungsstellen weiter. Die 35 Beratungsstellen sind gut erreichbar, arbeiten mittlerweile aber längst über der Kapazitätsgrenze. Jedes Diakonische Werk im Kirchenbezirk und jede Stadtmission hält mindestens eine Beratungsstelle vor.

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Offene Sozialarbeit, Tel.: 0351/8315-178.


 
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