Diakonie Sachsen
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15.09.2015 | Diakonie Sachsen erinnert: Wohnen ist Menschenrecht!

Lebenslagenerhebung 2015 der diakonischen Wohnungslosenhilfe

Die Wohnungsnot in Sachsen verschärft sich seit nunmehr 10 Jahren. Das belegen allein die diakonischen Zahlen. So sind seit dem Jahr 2004 die Fallzahlen von 1.537 auf 2.821, also um 84% gestiegen.

„Wohnen ist ein Menschenrecht, das vom Staat zu achten, zu schützen und zu gewährleisten ist. Das gilt übrigens auch für Flüchtlinge, Asylsuchende und Staatsbürgerinnen und Staatsbürger gleichermaßen. Dennoch wird dieses Menschenrecht permanent verletzt. Wohnungen gibt es, aber nicht dort, wo sie gebraucht werden und nicht zu dem Preis, den Menschen in Armutslebenslagen bezahlen können. Und auch dann nicht, wenn es Schwierigkeiten gibt, wie beispielsweise ein negativer Schufa-Eintrag oder weil ein SGB-II-Leistungsbezug manchen potentiellen Vermieter vermuten lässt, dass es Zahlungsschwierigkeiten geben könnte!“ Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen, sagt, dass die meisten Hilfesuchenden (52 Prozent) bereits wohnungslos seien, wenn sie in die Beratung kommen. Für circa ein Drittel der Menschen in Wohnungsnot spiele der Erhalt der Wohnung die zentrale Rolle. Und fast jeder Sechste, der Beratung in den Angeboten der Wohnungslosenhilfe sucht, ist unter 27 Jahre alt. Leider seien immer häufiger junge Menschen ohne Wohnung – was mit den harschen Sanktionen der Hartz-IV-Leistungen in engem Zusammenhang stehe. Eine Fachtagung der Liga der freien Wohlfahrtsverbände „Zwischen den Stühlen – Junge Wohnungslose zwischen Jugendhilfe, Jobcenter und Wohnungslosenhilfe“ wird das Problem am 16.September 2015 in Radebeul genauer unter die Lupe nehmen.

„Die Wohnung ist grundlegender Bestandteil eines menschenwürdigen Lebens und muss als Bestandteil des soziokulturellen Existenzminimums gesichert sein. Eine nicht grundgesetzkonforme Sozialgesetzgebung, die dem Erhalt der eigenen Wohnung zuwiderläuft, muss endlich reformiert werden. Die Zugänge zum Wohnungsmarkt müssen so sein, dass es auch einkommensarmen und/ oder in sozialen Schwierigkeiten befindlichen Personen möglich ist, bezahlbaren Wohnraum anmieten und erhalten zu können. Wohnungen dürfen nicht ausschließlich Ware sein, bei der Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen“, ist Kießling überzeugt.

Die Kommunen und Landkreise sollten deshalb genügend Wohnungen mit Belegungsrecht vorhalten, den weiteren (Aus-)Verkauf kommunaler Wohnungen stoppen und wo nötig, wieder in den sozialen Wohnungsbau einsteigen. „Der Wohnungsmarkt darf nicht allein dem privaten Wohnungsmarkt überlassen werden. Hier haben Kommunen Steuerungsfunktion! “

Die Diakonie Sachsen fordert daher, die im Koalitionsvertrages von 2014 formulierten Absichten in die Tat umsetzen: Endlich eine landesweite Wohnungsnotfallstatistik und Berichterstattung zu Notlagen und Armut zu beginnen, den sozialen Wohnungsbau wieder aufnehmen, eine sächsische Richtlinie zum Wohnraumförderungsgesetz zu erarbeiten und ein landesweites Konzept gegen Wohnungsnot zu erstellen.

Hintergrund: Wohnungslosenhilfe Diakonie Sachsen
Die Wohnungslosenhilfe gehört zu den traditionellen Aufgaben der Diakonie. Die Diakonie Sachsen bietet Hilfe für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen in verschiedenen Formen auf Grundlage von §§ 67 ff SGB XII an: Dazu gehören acht Fachberatungsstellen, aber auch sechs Tagesaufenthaltsstätten mit Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, Gelegenheit zum Wäschewaschen, Trocknen, zur Körperpflege oder auch zur Zubereitung von warmen Mahlzeiten. Darüber hinaus bieten Einrichtungen Übernachtungs- und Wohnmöglichkeiten oder betreutes Wohnen sowie Straßensozialarbeit an.

Bundesweit gelten ca. 285.000 Menschen als wohnungslos und verfügen über keine eigene Wohnung. Davon leben etwa 24.000 Menschen ohne Unterkunft auf der Straße. In Sachsen gibt es keine landesweite Wohnungsnotfallberichterstattung. Zahlen über Umfang und Problemlagen liegen bislang nicht vor. Lediglich diakonieinterne Zählungen sowie Lebenslagenerhebungen signalisieren, dass sich die Problemlagen verschärfen.

 
Es gibt viele Möglichkeiten sich freiwilligen zu engagieren!

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Beratung für Menschen in Wohnungsnot
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