Diakonie Sachsen
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Der lange Weg zurück

Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Sachsen beraten Flüchtlinge, die in ihre Heimat zurückkehren wollen / Fachtagung in Dresden

Keine berufliche Perspektive, Sehnsucht nach der Familie, Angst vor Abschiebung. Viele Flüchtlinge haben sich das Leben in Deutschland anders vorgestellt und wollen in ihre Heimat zurück. Aber die Verhältnisse, aus denen sie geflohen sind, haben sich in den Herkunftsländern nicht geändert. Beispiel Albanien, das als sicheres Herkunftsland gilt: Vor allem für junge Leute gibt es kaum Arbeit, wenig Ausbildungsmöglichkeiten und somit keine Perspektiven.  

Lena Prodöhl, seit Juli 2016 Rückkehrberaterin im Caritasverband Leipzig, war unlängst mit einer Gruppe von deutschen Rückkehrberatern in Albanien und im Kosovo unterwegs, um sich ein Bild vor Ort zu machen. „Durch persönliche Eindrücke und Netzwerke können wir nicht nur die Menschen bei uns besser informieren, sondern werden als Berater auch glaubwürdiger“, ist Lena Prodöhl überzeugt. Die Wiedereingliederung der Rückkehrer in die Herkunftsländer sei problematisch, berichtet Frau Prodöhl. Seit dem Wahljahr 2017 wirbt die Bundesregierung mit neuen Reintegrationsprogrammen für Heimkehrer aus Deutschland, um ihre Rückkehrpolitik zu stärken. Wie schwierig es tatsächlich ist, Flüchtlinge wieder in ihre Herkunftsländer zu integrieren, konnte Lena Prodöhl auf der Reise erleben. 

„Viele Familien müssen in Albanien auf engstem Raum zusammen leben. Die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern sich nur schleichend“, berichtet Frau Prodöhl. Zwar gebe es im Land durchaus erfolgversprechende Projekte, die zum Beispiel Aus- und Weiterbildungen vermitteln, aber kaum staatliche  Hilfen für Familien. Vieles befinde sich noch im Aufbau. In den Staat haben die meisten Menschen kein Vertrauen. „Jahre der Korruption und der Diskriminierung von Minderheiten wie den Roma haben dieses Misstrauen geschaffen“, so Lena Prodöhl. „Die Familien haben in Deutschland erfahren, was es heißt, in einem stabilen Sozialsystem aufgenommen zu werden. Die viel zu niedrige Sozialhilfe in Albanien reicht nicht zum Leben.“

 

Ansturm der Rückkehrer kann nicht bewältigt werden 

Nicht viel besser sieht es im Kosovo aus. Zwar erklären die Verantwortlichen, es gäbe genügend staatliche und unabhängige Programme, die die Rückkehrer auffangen können. Im Gespräch mit Mitarbeitern eines deutschen Reintegrationsprogrammes zeigt sich dagegen ein anderes Bild. Im Jahr 2016 habe man den Ansturm aus Deutschland nicht mehr bewältigen können und viele abweisen müssen, berichten die Helfer. Obwohl sich die Lage inzwischen beruhigt hat, werde dennoch genau geprüft, wer hilfebedürftig ist und wer nicht.

Die Schwierigkeiten kann Hendrik Kreuzberg vom PARITÄTISCHEN Sachsen bestätigen. „Die Rückkehrer benötigen oftmals Unterstützung bei der Suche nach Schulplätzen, Wohnraum, Kindergartenplätzen oder sozialen Kontakten. Vor allem die Kontakte in die Gemeinschaft sind schwierig, da manchmal die sprachlichen Fähigkeiten fehlen, insbesondere bei in Deutschland geborenen Kindern und Jugendlichen“, so Kreuzberg. Kern der Beratungspraxis in Deutschland müsse sein, den Menschen Perspektiven in ihrem Herkunftsland aufzuzeigen. Der  Weg in die Heimat sei für viele lang und steinig.

Stichwort: Rückkehrberatung in Sachsen

Die Rückkehrberatung unterstützt Geflüchtete, die sich entscheiden, Deutschland dauerhaft zu verlassen und freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren. Der Wunsch nach einer Rückkehr ins Heimatland kann durch verschiedene Umstände entstehen. Die  Sehnsucht nach Familie und Freunden, nach gesellschaftlicher Anerkennung und beruflichen Perspektiven, vor allem aber auch die Angst vor einer Abschiebung können zu der Überlegung führen ins Heimatland zurückzukehren. In einer ergebnisoffenen Beratung unterstützt sie die Rückkehrberatung Ihrer Entscheidungsfindung. Ist die Entscheidung zur Rückkehr getroffen und bestehen die nötigen Voraussetzungen, erfolgt eine Vermittlung in das von der Bundesrepublik Deutschland und dem Freistaat Sachsen geförderte REAG/GARP-Programm in Zusammenarbeit mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Das Programm sieht die Übernahme der Reisekosten vor und gewährt, sofern Sie  nicht visumsfrei eingereist sind, eine Reisebeihilfe sowie eine Starthilfe je nach Herkunftsland.

Kontakt: Caritasverband für das Bistum Dresden-Meißen, Pressestelle, Andreas Schuppert, Tel. 0351 4983738


 
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