Diakonie Sachsen
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11.07.2016 | Dauerbrennerthemen: Existenzsicherung und gesundheitliche Beeinträchtigungen

Diakonie Sachsen legt Lebenslagenerhebung 2016 der KirchenBezirksSozialarbeit (KBS)  vor

Trotz guter Konjunktur und historisch niedrigen Arbeitslosenzahlen haben sich die Armutslebenslagen in Sachsen wieder nicht verringert. Zumindest legt das die Lebenslagenerhebung der 29 Beratungsstellen der diakonischen Kirchenbezirkssozialarbeit  nahe. Demnach war die Sicherung der materiellen Existenz wieder das Hauptthema der Beratung. Insgesamt wurden im Jahr 2015 3822 Hilfesuchende statistisch erfasst und zu diesem Thema beraten. „Jahr um Jahr ist die Sicherung der materiellen Existenz das Haupt-Beratungsthema.  Dass Menschen ohne eigenes Einkommen Hilfe suchen, ist nicht verwunderlich. Dass aber 60% aller Hilfesuchenden Menschen mit einem Haushaltseinkommen – ohne ergänzende Sozialleistungen – sind, ist ein kritisches Signal. Und ein Armutszeugnis für die Arbeitsmarktpolitik. Bei Mini-Jobs, bei Leiharbeit, Werkverträgen oder Teilzeitbeschäftigungen wird oft besonders wenig verdient. Viele Beschäftigte pendeln daher unmittelbar zwischen prekären Arbeitsverhältnissen und dem SGB-II-Leistungsbereich (Hartz-IV)“,  sagt Rotraud Kießling, zuständige Referentin bei der Diakonie Sachsen.

Eng verknüpft mit der Existenzsicherung sind der Wunsch nach Unterstützung bei rechtlichen Fragen, beim Umgang mit Ämtern und Behörden. Vor allem bei Anträgen, die die finanzielle Situation entspannen und verbessern sollten, waren Hilfen nötig: SGB-II-Leistungen, Wohngeld, Lastenzuschuss, Bildungs- und Teilhabepaket, Kirchlicher Hilfsfonds für Menschen in Not, Stiftungsanträge und Anträge zur Überprüfung von behördlichen Bescheiden.

Den engen Zusammenhang zwischen Existenzängsten und gesundheitlichen Beeinträchtigungen  spiegelten auch die wieder gestiegenen Kuranträge wider. So beantragten auch dieses Jahr 1422 Frauen eine Kur (Vorjahr 1343). „Manchmal hilft die Aussicht auf eine Auszeit von einem Alltag voller Sorgen schon weiter. Allerdings binden die Beratungen zu Kuranträgen mittlerweile sehr viel Kapazität. Eine - noch ausstehende – Refinanzierung der Krankenkassen ist daher dringend notwendig, zumal die Beratungsleistung auch im § 1 des fünften Sozialgesetzbuches verankert ist“, so Kießling weiter.

Die KBS halte den Einsatz für Frauen und damit Familien nach wie vor für sehr wichtig und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Möglichkeiten der Familienerholung noch nicht in vollem Umfang ausgeschöpft sind.

Denn nach den Sommerferien werde die Schere zwischen Arm und Reich besonders deutlich: Während die einen von tollen Urlaubsreisen berichten, können Eltern und Kinder aus einkommensarmen Familien meist nicht viel von den Ferien erzählen. Familien, die nicht genug Geld haben, um den Kindern dringend benötigte Sandalen für den Sommer zu kaufen, brauchen an Urlaubsreisen gar nicht erst zu denken. „Das ist besonders für Kinder schlimm, denn ihnen wird die Erfahrung vorenthalten, Neues zu entdecken und die Eltern selbst bräuchten ebenfalls dringend eine Auszeit von ihrem häufig prekären, und von dauernden finanziellen Nöten überschatteten Alltag. Um diese armutstypische Isolation aufzubrechen, gibt es in Sachsen wieder die  Förderung der Familienerholung als familienstärkendes Angebot - allerdings sind einige problematischen Aspekte an dieser Fördermaßnahme nach wie vor nicht behoben“, sagt Rotraud Kießling. „Vor allem, dass die Familien, die den Antrag stellen, das Geld erst nach ihrem Urlaub bekommen, also in Vorleistung gehen müssen. Gerade das aber können sie ja nicht.“


Hintergrund: Die KBS bietet ohne jede Zugangsbeschränkung eine erste allgemeine soziale und unabhängige Beratung und ein offenes Ohr. Für Menschen in komplexen Problemlagen übernehmen die Beraterinnen und Berater Lotsenfunktion, d.h. sie koordinieren Hilfemöglichkeiten und vermitteln an spezialisierte Beratungsstellen weiter. Die 29 Fachstellen sind gut erreichbar, arbeiten mittlerweile aber längst über der Kapazitätsgrenze. Jedes Diakonische Werk im Kirchenbezirk und jede Stadtmission hält eine Fachstelle vor, z. T. mit Außenstellen

Weitere Informationen: Rotraud Kießling, Offene Sozialarbeit, Tel.: 0351/8315-178.

 
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